:Tagesberichte
Tagesbericht 20.05.2006 (letzter Tag)
Liebe Leser,
WIR HABEN DEN LETZTEN TAG
Es ist der 20.05.2006, Ortszeit 09.50 Uhr und ich sitze – nach einer letzten Schlafphase auf unserer Innenraum-Sonderkonstruktion, die uns so viele gute Dienste geleistet hat – wieder auf meinem Copilotensitz.
Noch 8 Stunden verbleiben uns um in neuer, absoluter Gesamtreise-Weltrekordzeit gefahren zu sein. Vor uns liegen noch rund 400 km und die letzten Stunden waren super.
Es begann mit den Fahrzeugen, die nach und nach wieder wie von Geisterhand liefen. Als ahnten sie, um was es ginge und wie sauer wir alle auf sie waren, behoben sie ihre Elektronikprobleme selbst und wir konnten wieder die zugelassene Richtgeschwindigkeit fahren.
Auch ist jetzt alle Müdigkeit verflogen. Die Spannung, das Ziel und den Weltrekord zu erreichen spornen unsere Körper an, Adrenalin in einer Masse zu produzieren, die alle Erschöpfung einfach „wegadrenaliert“.
Die nächste absolut geniale Sache war die erste Tierra del Fuego Grenze. Wir sind Jana Ziegler und Andreas und allen anderen Helfern unendlich dankbar für ihren Einsatz bis zur letzten Sekunde, um die Grenzöffnung zwischen Argentinien und Chile um 05.00 Uhr am Morgen (eigentlich geschlossen bis 09.00 Uhr) zu erreichen. Es hat funktioniert! So schnell ging noch kein Grenzübertritt von statten und wir waren auf dem Weg zur Magellanstraße.
Was jetzt folgte war nur geil, mega geil.
Wir kamen bei Sturm an der Magellanstraße an. Auf den letzten 50 km hatte es uns noch zwei Reifen regelrecht zerfetzt. Wie Messer schnitten die Teile die auf der Fahrbahn lagen ganze Profilblöcke mit Karkasse aus zwei Reifendecken. Mit einem defekten Reifen fuhren wir noch bis an die Ablegestelle und wechselten dann – die Fähre schon in Sichtweite – in Rekordzeit den Reifen.
Es waren Bilder wie aus „das Boot“. Die Fähre war eigens (!!!!!) für uns um diese Uhrzeit ausgelaufen und kämpfte sich durch meterhohe Wellen. Der Kapitän hatte alle Mühe, das Schiff mit der Landungsklappe an Land zu halten und wir mussten schnellstens an Bord fahren.
Die Überfahrt war für alle der Hammer. Bei schwerer See hob und senkte sich das Schiff teilweise sicherlich 10 Meter. Und das nicht nur in der Längs-, sondern auch über die Querachse. Es war ein Riesenspaß wenn die Brecher über das Deck schlugen. Diejenigen, die auf der offenen Fläche vor der Brücke standen, mussten sich mit aller Kraft festhalten und wurden patschnass. Die Autos erhielten alle eine komplette Wagenwäsche, wenn auch mit Salzwasser.
Um gegen den Sturm die Landungsstelle erreichen zu können kämpfte sich die Fähre weit oberhalb der eigentlichen Anlegestelle Richtung Land, um sich später abtreiben zu lassen.
Nun sind wir noch rund 300 km vom Ziel entfernt und hoffen auf den Gewinn des Weltrekords.
Später werde ich dies nochmals wiederholen, aber an dieser Stelle ist es mir auch wichtig:
Vielen, vielen Dank an alle, die in irgendeiner Weise mitgeholfen haben, dieses Ziel zu verwirklichen.
Vielen, vielen Dank an alle, die mitgearbeitet, mitorganisiert oder Kontakte hergestellt haben.
Vielen, vielen Dank an alle, die in dieses Projekt investiert oder mir vertraut haben.
Vielen, vielen Dank an alle, die uns die Daumen gedrückt und an uns gedacht haben.
Vielen, vielen Dank an alle, die wegen uns nicht ins Bett gegangen sind oder viel zu früh aufgestanden sind und somit immer erreichbar waren. Vielen, vielen Dank an alle, die für uns und eine sichere Fahrt gebetet haben.
Vielen, vielen Dank an alle Landeskoordinatoren der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef · Bonn, die eine absolut phantastische Arbeit geleistet haben:
Jürgen Malieske, Jana Ziegler, Anna Mailänder, Dirk Pätzold, Simon König, Eva Hasenbalg, Alice-Anna Oeter, Julia Hengstermann, Thomas Grüderich, Anne Schröder, Daniela Seiler, Jan-Philipp Rombolotto, Sebastian Thomas, Anne-Christine Maass and Pressesprecher Markus Stühlen.
Vielen, vielen Dank an Dagmar Nelson (Athens, Georgia), die für uns fast alle Texte in die englische Sprache übersetzt hat.
Vielen, vielen Dank an Andreas Dolz, ohne dessen Einsatz und Engagement die gesamte Rekordfahrt so niemals möglich gewesen wäre und dessen Leistungen wir alle über alles schätzen.
Vielen, vielen Dank an meine geliebte Frau, ohne deren Liebe ich nie in der Lage wäre, solche Projekte zu realisieren und die den größten Anteil an dem Erfolg der Panamericana 2006 hat, denn sie hat mich getragen.

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