:Tagesberichte
Tagesbericht 17., 18. und 19.05.2006
Liebe Leser,
gerade bricht der letzte Tag an. Es ist die Nacht von Freitag den 19.05 auf Samstag den 20.05.2006 und ich sitze auf meinem Copilotensitz, kämpfe mit Müdigkeit und jeder Menge Technikproblemen und fiebere mit allen anderen Piloten dem Weltrekord entgegen.
Mittlerweile hängt an jedem Fahrzeug ein Laptop mit Volkswagen interner Software zur Elektronikfehlerbehebung während der Fahrt, füllen wir bei allen Fahrzeugen ständig Wasser nach, sind die Ladedruckregelungen eher Zufall und die Rekordzeit in Gefahr, weil die Autos wegen Notlaufprogrammen teilweise nur noch mit 80 km/h laufen.
Wie einfach könnte alles sein und wie schwierig ist es auf den letzten Metern noch geworden.
Aber zunächst noch einiges sehr erfreuliches...
Tagesbericht 17. und 18. und 19.05.2006
Es sind lange, sehr lange Strecken, die wir durch fast menschenleere Gegenden zurücklegen.
Als wir nach fast 2500 km Peru Durchfahrung am späten Vormittag die Grenze zu Chile erreichen, werden wir schon vom Deutschen Honorarkonsul in Arica erwartet. Er hat für uns die Grenzsituation vorbereitet und sorgt für einen superschnellen Grenzübertritt. Gemeinsam mit ihm fuhren wir nach Arica ein wo bereits ein Fernsehteam auf uns wartet. Das erste Hotel am Platze lud uns zum kurzen Verweilen ein, was ich jedoch auf Grund der aktuellen Gefahrenlage für die Fahrer (schon nach 2-3 Minuten bemerkte ich verträumte und sehnsüchtige Blicke) ablehnen musste. Feiner Sandstrand, Liegestühle, traumhaftes Wetter, super Hotel, wunderbares Meer sind nichts, was einem Fahrer der noch viele tausend Kilometer durchhalten muss – ohne psychische Schäden – gut tun würde.
Wir erhielten noch Lunchpakete für die Weiterfahrt und brachen in die 2150 km entfernte Hauptstadt Santiago de Chile auf. Am 18.05. erreichten wir auf halbem Weg nach Santiago um 01.00 Uhr Nachts die Wüstenstadt Copiapo.
Dort hin war ein chilenischer Biodieselproduzent gereist, eigens um uns chilenischen Biodiesel zur Verfügung zu stellen und uns im Konvoi nach Santiago zu begleiten. Er hatte sogar sein Fahrzeug mit einer kompletten Panamericana Karte und unseren Logos beklebt. Wir betankten die Rekordwagen bei meinen chilenischen Freunden Despetris und gaben selbst zu solch nächtlicher Stunde noch Interviews an interessierte Pressevertreter.
Die nahe gelegene Pizzeria backte noch schnell 10 Pizzen für die Fahrt und weiter ging es durch die Wüste in Erwartung des Medien Events in der Hauptstadt. Der Termin in Santiago war auch von unserer Kontaktperson in Chile – Anne Schröder - bestens vorbereitet.
Wir kamen am 19.05. etwa 1 Stunde früher als erwartet an und das war unser großes Glück. Die letzten Tage hatten uns wirklich zugesetzt und wir rochen sicher nicht besser als alter Limburger Käse und fühlten uns auch so. Das VW Autohaus, das einen großen Bahnhof für uns vorbereitet hatte, reagierte sofort und stellte Handtücher, Seife, Räumlichkeiten zur Verfügung.
Wir nutzten die Zeit bis 11.00 Uhr, duschten uns in den Werkstattduschen und waren blitz blank sauber als unter anderem der Deutsche Botschafter in Chile Redner und Gast der Pressekonferenz und der Veranstaltung war. Es war eine rundum gelungenen Präsentation der Panamericana Weltrekordfahrt 2006 mit sehr gutem Erfolg für das gesamte Team. Beim Aufbruch waren sogar neue Reifen montiert und die Fahrzeuge „Servicegecheckt“.
Anschließend ging es los zur letzten großen Etappe: Argentinien. Wir starteten mit der spektakulären Andenüberquerung gegen 12.30 Uhr. Ich behaupte es ist für alte Hasen und Erstüberquerer immer wieder eine Besonderheit in unmittelbarer Nähe zu den höchsten Bergen der westlichen Welt auf genial in die Steilhänge geschlagenen Straßen diesen einmaligen Gebirgszug zu überqueren.
In Mendoza erwartete uns unser Freund Hans Siebenhaar mit seiner Frau und einer optimalen Event Organisation am späten Abend des 19.05. vor einem wunderbaren Hotel direkt am Plaza de Independencia, dem zentralen Platz der Stadt. Jede Menge Medienvertreter, Zuschauer und andere Gäste bereiteten uns ein herzliches Willkommen.
Das Essen war gekocht, die Fahrzeuge wurden sofort von Servicemitarbeitern zum Aufziehen der Winterreifen übernommen, die Pressekonferenz fand unmittelbar statt und der argentinische Biodiesellieferant Oilfox war zusammen mit seinem Kraftstoff extra aus Buenos Aires angereist um dabei zu sein, wenn sein Biodiesel die Rekordfahrzeuge auf den letzten Streckenabschnitt schickt.
Als wir aufbrachen, lagen noch rund 3450 km durch die Las Pampas und Tierra del Fuego zwischen uns und dem Ziel Ushuaia.
Copiapó



In Santiago de Chile





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