:Tagesberichte
Tagesbericht 12.05.2006
-Tag der Entscheidung und einer wichtigen Teamprobe- Es war der 12.05.2006 und somit der Tag an dem sich entscheiden musste, ob wir weiterfahren würden oder ob in Panama Schluss sein würde. Ob alle Anstrengung schon hier ihr Ende finden sollte oder ob wir unserem Weg weiter folgen könnten. Zwei Dinge mussten wir erreichen: 1. Das Team musste den Passagierflieger um 19.45 Uhr erwischen. 2. Die Fahrzeuge mussten in die Frachtmaschine nach Kolumbien verladen werden. Wir waren von San Jose / Costa Rica aufgebrochen und auf dem Weg zur Grenze Panamas, als wir nur knapp einer ersten Zeitkatastrophe entgingen. Auf der einzigen und einspurigen Straße war ein Unfall passiert. Die Unfallwagen blockierten beide Fahrbahnen. Ein Stau entstand, der sich aber zum Glück recht rasch aufzulösen begann, als clevere LKW Fahrer mit Ihren Trucks ein Bypass in Form einer Notspur in den Hang unterhalb der Unfallstelle „frästen“. Es lief anschließend sehr gut und den von unserem Logistikpartner Schenker vorbereiteten und anschließend in Rekordzeit passierten Grenzübergang erreichten wir fast schon „just in time“. Gerade machte sich ganz vorsichtig ein leises Gefühl von Sicherheit bemerkbar, als das nächste Unglück begann: Die Stoßdämpfer von Alpha1 quittierten vollständig Ihren Dienst. Das Fahrzeug begann sich ab sofort schon bei Geschwindigkeiten von 50 km/h unfahrbar aufzuschaukeln. Eine Katastrophe angesichts von noch rund 400 km bis in die Landeshauptstadt. Bedeutete dies doch eine verbleibende Fahrzeit von 8 Stunden. Es war zu diesem Zeitpunkt 7.30 Uhr. Es begann nochmals ein harter Wettlauf mit der Zeit. Wir fuhren Alpha1 immer am Grenzpunkt zwischen Schaukeln und Aufschaukeln und strapazierten unsere Nerven bis aufs Äußerste. Hinzu kam ein exorbitanter Reifenverschleiß auf der Hinterachse von Alpha1 durch das ständige starke Schwanken. Nach 200 km (vergleichbar vielleicht mit 200 km Vollgas im Drift im Kreis fahren) waren die Hinterreifen total abgefahren, wir mussten beide Reifen wechseln, wieder Zeitverlust. Und dann tat es auch noch einen Schlag, einen, der das ganze Team traf. Aber es war diesmal kein technisches, sondern ein Teamproblem und es brach just in der höchsten Anspannung auf. Die Situation ließ sich jetzt schnell und klar beschreiben: Zeitproblem, Autoproblem, Stimmungsproblem und die Nerven lagen total blank. Auf der anderen Seite auch kein Wunder, hatten alle im Team doch bis zu diesem Zeitpunkt alles gegeben und nun standen wir – anstatt vor einem entspannten Lufttransport vor großen Problemen. Aber genau in dieser Situation zeigte sich einmal mehr, was für klasse Leute wir im Team haben. Es wurde hart aber fair diskutiert und gerungen, aber ungeachtet der Auseinandersetzung der Glaube an das Erreichen des Ziels nie aufgegeben. Und so arbeitete das Team unter nun kaum noch zu steigernder Belastungssituation weiter. Als wir um 14.00 Uhr in Panama eintrafen, stand zunächst ein Empfang – organisiert und ausgerichtet durch das Außenministerium – auf dem Programm. Anwesend waren unter vielen anderen Gästen und Zuschauern auch der Außenminister Panamas, der stellvertretende Deutsche Botschafter, ranghohe Vertreter der Regierung Panamas und die Geschäftsführerin der AHK. Die sprach zum Thema und gab uns Gelegenheit unser Projekt nochmals vorzustellen. Wie wir hier und auch von anderen Stellen hörten, hat das Panamericana 2006 Biofuel Projekt dazu beigetragen, intensiver über Biokraftstoffe nachzudenken und neue Gesprächsrunden zur Verwendung dieser Kraftstoffe zu bilden. Im Anschluss an die Veranstaltung – es war 15.00 Uhr - ging es für Alpha 1 in eine nahe gelegene VW Werkstatt um die Stoßdämpfer hinten auszutauschen, den Wasserverlust zu beseitigen, die Achsen einzustellen und das Fahrzeug somit überhaupt wieder fahrbereit zu machen. Mit Alpha 2 und 3 fuhren wir in eine Goodyear Werkstatt um einen Teil der Reifen zu erneuern und andere auszuwuchten. Um 16.00 Uhr musste das Team eigentlich zum 1 ½ Stunden entfernten Flughafen aufbrechen um rechtzeitig einchecken zu können. Die Fahrzeuge waren nicht fertig. Große Hektik kam auf. Kommandos flogen, Telefone glühten, Schenker versuchte die Maschine am Boden zu halten und erreichte, dass alle First Class auf den letzten Drücker einchecken konnten. Alle unterstützten, auch die mitgereisten Journalisten halfen wo und mit was sie nur konnten. Aber es reichte nicht. Da Alpha 2 und 3 wenigstens reifenseitig fertig waren entschieden wir uns die Rekordcrew mit diesen zum Flughafen zu schicken, während ich von Schenker in einer Sonderaktion auf die Frachtmaschine umgebucht wurde. Das hatte den Vorteil, dass ich mehr Zeit gewann um Alpha 1 wieder zu reparieren und dennoch nach Kolumbien kam. Das Alphateam schaffte es den Flug zu erreichen, musste mir jedoch ob der Knappheit die zwei Touaregs unfertig – das heißt, mit montierten Dachgepäckträgern und Gepäck am Cargolager stehen lassen. Ich schraubte derweil mit den VW Mechanikern in einer Schweißlache um die Wette. Um 18.00 Uhr konnte ich endlich vermelden: Alpha 1 war wieder fahrtauglich und fertig zum Flug. Sofort brachen wir von Schenker geführt zum Flughafen auf. Schenker hatte zwischenzeitlich auch einen späteren Abflug der Frachtmaschine mit Panama und Kolumbien ausgehandelt und brachte mich mit unserem Fernsehteam zum Cargolager. Dort angekommen hieß es sofort alle Dachträger abmontieren, da die Fahrzeuge sonst nicht in die Flugzeugtür passten. Ich war nicht verschwitzt, ich war völlig durchnässt als um 21.30 Uhr (+35°C/ 100% Luftfeuchtigkeit) alles zur Verladung fertig war. Von Jörg hörte ich kurz darauf von einer guten Landung des Alphateams in Cartagena und einem topp vorbereiteten Hotel durch die Mitarbeiter der Auslandshandelkammer. Bisher hatte ich weder Gelegenheit, mit einem Fahrzeug über die Start- und Landebahn zu fahren, noch in Gepäckförderanlagen eines Flughafens mit dem Auto umher zu kurven, noch auf verschlungenen Pfaden in Sicherheitsbereiche zu gelangen, noch die Chance mit einem Fahrzeug in einem Flugzeug umher zu fahren nach dem ich zuvor über Sonderhubanlagen Off Road gefahren war. All dies änderte sich nun für mich während das Alphateam etwas entspannen und duschen konnte. Zuerst fuhren wir zwischen startenden und landenden Flugzeugen in einem Pickup über die Startbahn zur Emigration (war halt kürzer als der reguläre Weg), dann mit dem Pickup über und unter und mit Gepäckförderanlagen im Flughafengebäude zu unscheinbaren Stahltüren, die direkt in Sicherheitstrakte mündeten, dann balancierte ich alle drei Touaregs über Hubwagenanlagen in 5m Höhe durch eine eigentlich zu kleine Flugzeugtür (die Beladungsjungs zeigten mir aber, dass die Touaregs sehr wohl durchpassten (wenn auch ungefähr 25 Mann mithalfen, als die Wagen um 90° versetzt werden mussten) in ein Frachtflieger und fuhr die Fahrzeuge in diesem auf Position. Last but not least durfte ich beim Start der Maschine hinter dem Piloten auf einem Notsitz Platz nehmen (die Abmaße dessen entsprachen sicher den Sitzgelegenheiten meines 11 Monate alten Sohnes) während sich Hendrick und Benjamin im Frachtraum eine kleine Sitzbank teilten. Der Flug war genial, wenn auch etwas unromantisch zwischen Kabeln, Verzurrgurten, Werkzeug, Autos und Material bei einer Lautstärke die ohne Ohrenschutz sicherlich problematisch ist.
Wir, die Autos und unser restliches Material landeten wohlbehalten um 00.30 Uhr in Cartagena/ Kolumbien.

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