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:Tagesberichte

Tagesbericht 07. und 08. Mai 2006

Liebe Leser, liebe Freunde, anstatt Ihnen zuerst den Tagesbericht des 07.05. zu schreiben, möchte ich mit dem 08.05. beginnen:   

Einem Tag, an dem die Anspannung und Belastung der Teammitglieder einen Höhepunkt erreichte und auf fast wunderbare Art in sehr große Freude verwandelt wurde. Es ist jetzt 22.30 Uhr Ortszeit und wir fahren – begleitet von einer Sondereskorte der mexikanischen Polizei unter Blaulicht und Martinshorn durch die Nacht nach Nawajoa – eine Stadt erwartet uns! Lassen Sie mich hierfür zuerst erzählen, was uns am 07. und 08.05 Negatives widerfahren ist, um dann vom dem Positiven zu berichten:  

Nachdem wir Prince George verlassen hatten, trafen wir bei strömenden Regen in der Nacht in Vancouver ein. Irgendwo an einer Autobahnabfahrt trafen wir unseren Lieferanten, der uns wegen der Zeitnot entgegen gefahren war. Wir hatten 1500 Liter Biodiesel von Fässern in die Tanks, Zusatztanks und Reservekanister umzutanken und die meisten von uns waren nach der Aktion völlig durchnässt. Nicht besonders praktisch, wenn man sich nicht umziehen kann und der Platz in den Fahrzeugen ein Trocknen praktisch unmöglich macht. Außerdem hatte uns der Lieferant auf Grund eines Übermittlungsfehlers nur 1000 Liter mitgebracht. Die nächste Problematik erwartete uns am Grenzübergang in die USA. Dort stießen wir auf einen sehr aggressiven Grenzbeamten, der uns nicht einreisen lassen wollte, weil der kanadische Zoll bei der Einreise aus Alaska nach Kanada keine „Importation“ vorgenommen hatte. Eine Situation, die auch wegen der Behandlung durch die Grenzer zu einer weiteren Nervenbelastung führte.

In dem die kanadische Seite eine komplette Ein- und Ausfuhr bewerkstelligte, ließ sich dieses Problem nach 1,5 Stunden Verhandlung lösen, wir konnten die Durchfahrung der USA beginnen. Etwa auf der Höhe von Sacramento machte sich der Luftmassenmesser von Alpha 2 einen Spaß daraus nicht mehr zu funktionieren und Alpha 1  hatte nun Kühlwasserverlust zu verzeichnen. Alpha 2 konnte somit nur noch mit einer Höchstgeschwindigkeit von 70-80 km/h gefahren werden und Alpha 1 musste alle 200 km rund 2 Liter Wasser auffüllen. Ein Leck war nicht zu entdecken. Zwischendrin liefen die Drähte zwischen allen möglichen Satelliten zwischen Europa und den USA heiß. Vieles musste umgeplant, verschoben oder neu organisiert werden. Andreas Dolz und Jürgen Malieske von der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef · Bonn, arbeiteten fast rund um die Uhr. Es war für alle frustrierend.


Ein Lichtblick bildete dann der von Eric Dow organisierte Stopp-Event in Los Angeles:  

Dort erwartete uns sonntagnachts um 23.30 Uhr eine perfekte Organisation. Etliche Techniker standen bereit, die Fahrzeuge zu warten, Essen und Getränke für die Crew war organisiert, ein Biodiesel Truck betankte die Fahrzeuge, Reporter interviewten die Fahrer, Zuschauer ermutigten uns und sprachen uns gut zu.

Positiv war anschließend, dass Alpha 2 wieder normal fuhr, alle gestärkt waren und neue Kraft hatten. Schlecht war, dass wir auch wegen der Reparatur noch mehr Zeit verloren hatten und der Wasserverlust von Alpha 1 nicht zu beheben war. 

In jedem Fall waren wir wieder besser drauf als wir zu unserem ersten „Reinigungsstopp“ in Nogales – an der Grenze zu Mexiko - eintrafen. Dort hatte Christina vom Holiday Inn für uns 5 Zimmer, eine Masseurin, ein Büffet und Lunchpakete vorbereitet. Es tat gut, nach so vielen Stunden mal wieder zu duschen und an einem Tisch zu essen.

Als wir gegen 12.00 Uhr des 08.05.2006 zur mexikanischen Grenze aufbrachen, dachte noch niemand daran, dass uns die härteste Prüfung erst noch bevor stand:

Das die US Behörden dieser Stelle noch nie ein Carnet de Passage gesehen hatten und wir erst 1 Stunde von a nach b geschickt wurden ehe jemand seinen Stempel „befeuchtetet“, gehört noch in die Kategorie „dumm gelaufen“. Aber als uns die mexikanischen Behörden nicht einreisen lassen wollten, weil der Amtsschimmel in allen Tönen wieherte, brachte das Fass bei mir zum überlaufen. Die mexikanischen Grenzbehörden teilten uns allen Ernstes mit, zwei Fahrzeuge könnten nicht einreisen. Diese müssten in den USA verbleiben. Der Nervenmotor von MJ sprang nun schlagartig auf der Drehzahlskala um mindestens 4000 1/min nach oben. Derart aufgebracht, schalteten die Mexikaner ihren Grenzvorsteher ein.

Offensichtlich kam er mit meinem Ansinnen auch nicht zurecht und verwies auf seine Vorgesetzten in Mexiko City. Kurz bevor meine Maschine in den roten Drehzahlbereich lief, viel mir die rettende Lösung ein. Ich rief Andreas im Büro an und verband ihn mit dem Vorsteher. 15 Minuten dauerte die Diskussion auf Spanisch bis es Andreas gelang, die Grenzjungs zu knacken. Ich weiß nicht, was er alles erzählt hat, aber es zeigte Wirkung. Die Formulare wurden, wenn auch sehr langsam, doch ausgestellt. Nicht jedoch ohne mir mitzuteilen, dass man mich auch ohne weiteres verhaften könne, wenn ich noch ein bisschen weiter den Aufstand proben würde. Auf dringendes Anraten meines lieben Andreas, verzichtete ich auf weitere “hessische Volkstänze“ und wartete mehr oder weniger geduldig auf den Gang der Dinge.

Das ganze unnötige Prozedere (unsere sämtlichen Papiere hatten internationale Gültigkeit und waren in Ordnung) dauerte vier(!) Stunden – wir waren nun mit 9 Stunden im Zeitverzug – und unsere Nerven sehr, sehr strapaziert. Der vorläufige Höhepunkt der Negativserie sollte erreicht sein. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten war, dass sich zwischenzeitlich viele weitere Menschen eingeschaltet hatten. Und ab dem Zeitpunkt, als wir die Grenze passiert hatten, zeigten uns die Menschen Mexikos ihre ganze Herzlichkeit, Freundlichkeit und Wärme. Es war unglaublich!!!

Es begann damit, dass uns eine Eskorte aus Polizei- und Firmenfahrzeugen unter der Leitung von Herrn Professor Dr. Wicker von der Universität Hermosillo am zweiten Maut-Checkpoint – Deutschlandfahnen schwenkend – in Empfang nahm und uns zu einem herzlichen Willkommen in die Stadt zum Volkswagenhändler geleitete. Man überhäufte uns mit Gratulationen, Dank und Geschenken.

Nach dem kurzen Stopp geleitete uns die Eskorte noch bis weit außerhalb der Stadtgrenzen. Wir waren wieder alleine und ca. 75 km vor Navojoa, als wir an einer weiteren Mautstelle wieder von einer Eskorte aus Polizei- und Firmenfahrzeugen empfangen wurden. Gleich einem Sondereinsatzkommando sperrten die Polizisten in waghalsigen Aktionen Kreuzungen, öffneten Ampelstaus, führten uns mit voller Lichtorgel und Martinshorn über rote Ampel ebenso wie gegen Einbahnstraßen. Ziel war ein weiterer Volkswagenhändler. Auch dort empfing man uns mehr als herzlich, überreichte uns Geschenke und danke uns für den Besuch.

Schon jetzt waren wir überwältigt!  
In welcher Stimmung waren wir eben noch gewesen: Ganz auf uns gestellt, gegen die Uhr und mit Problemen aller Art kämpfend, wurden wir nun mit Dank bedacht und in voller Polizeiaktion eskortiert.

Liebe Leser, versuchen Sie sich bitte in unsere Lage zu versetzten. Und dann, ... dann kam etwas was den emotionalen Rahmen fast aller Teammitglieder sprengte:  

Wir fuhren mit einer Privateskorte auf Navojoa zu, als kurz vor der Stadtgrenze eine Motorradstaffel der Polizei die Eskortierung übernahm. Mit Blaulicht und Martinshorn fuhren wir in die Stadt ein. Kurz bevor wir die Hauptstraße erreichten kamen weitere vier Polizeiwagen dazu und als wir in die Hauptstraße einbogen wartete dort die komplette Feuerwehrflotte mit allen Löschfahrzeugen auf uns. Bitte stellen Sie sich diesen Konvoi vor:  


Vier Polizeimotorräder, vier Polizeiwagen und drei Feuerwehrlöschfahrzeuge mit vollem Blinklicht und allen Warnsignalen, die man zur Verfügung hatte und mittendrin 3 VW Touaregs mit 9 fassungslosen Fahrer und einem Kameramann der nicht wusste, was er zuerst aufnehmen soll.

Ich glaube Angela Merkel wird niemals so eskortiert werden. Aber es ging noch weiter: Wir bogen in eine weitere Straße ein, die gesäumt war mit Autos und trauten unseren Augen nicht, als wir um genau 22.30 Uhr unser Ziel erreichten, den örtliche VW-Händler. Dort standen hunderte von Menschen, die mindestens ebenso viele Deutschlandfahnen schwenkten, die uns zuwinkten und klatschten und uns willkommen hießen, wie wir es in unseren Leben noch niemals erlebt hatten.

http://www.navoyork.com/eventos/?fotos=http://www.navoyork.com/eventos/v/otros/carro_biodiesel/

Als wir auf die vorbereiteten Parkplätze rollten, spielte eine große Blaskappelle auf und eine Tanzgruppe tanzte mexikanische Volkstänze. Wir wurden umringt von all den Menschen und unter einem irren Blitzlichtgewitter, klatschen, Anmoderation und Freudenschreien auf die vorbereitete Bühne geführt. Ein Moderator hieß uns über riesige Lautsprecher willkommen und wir waren nichts weiter als völlig überwältigt. Man überreichte uns Geschenke, Ehrentafel der Stadt, Widmungen und hielt Reden. Man bat uns um Autogramme und Fotos und feierte uns wie Helden, obwohl die Ehre die Menschen vor Ort verdient hätten.

Ich war wie etliche aus dem Team oft den Tränen nah und als ich gebeten wurde eine Ansprache zu halten vor all den tollen Menschen, versagte mir mehr als einmal die Stimme. Es war eine Erfahrung, die sicher keiner von uns jemals vergessen wird und gerne wären wir länger geblieben. Diese Nacht im Norden Mexikos und der Zuspruch haben uns absolut beeindruckt.

Wir danken den Menschen, die dies so exzellent und liebevoll gestaltet haben, sowie unserer wunderbaren Landeskoordinatorin für Mexiko, Eva Hasenbalg, von der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef · Bonn!

 

In Los Angeles

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 In Navojoa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 






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